Lernleben-Gesundheitsblog

Wir haben mit unserem Partner Uwe Knop ein email Interview geführt – rund um sein Herzensthema der „Kulinarischen Körperintelligenz“ und dem „intuitiven Essen„.

Uwe-Knop-Portrait-1-© BoD Books on Demand

Er schreibt darüber seit über 10 Jahren Bücher, tritt im Fernsehen auf und hält Vorträge.

Ihre Bücher und Vorträge handeln von „Kulinarischer Körperintelligenz“, bzw. dem „intuitiven Essen“ – Was genau ist damit gemeint?

Die Kulinarische Körperintelligenz ist das individuelle Körperwissen, das über die instinktiven Gefühle Hunger und Lust unsere Ernährung bedarfsgerecht steuert. Dieses intuitive Wissen wächst mit jeder Mahlzeit, die Sie in Ihrem Leben zu sich nehmen. Damit diese Informationen zur optimalen Lebenserhaltung eingesetzt werden können, stehen unsere beiden Gehirne in ständigem Dialog.

Richtig gelesen: Wir haben zwei davon, sozusagen eng verwandte Hirnzwillinge – das Bauchhirn und das Gehirn im Kopf. Ein wesentlicher Unterschied dieser doppelt hirngesicherten Essschläue besteht zur Intelligenz im herkömmlichem Sinne: Wir sind nicht in der Lage, die Kulinarische Körperintelligenz mit unserem Verstand zu steuern, denn wir haben keinen bewussten Zugriff auf die Fülle an Wissen und Erfahrung. Stattdessen fühlen wir dieses intuitive Körperwissen.

Als Beispiel: Wenn Sie sich eine Kiwi kaufen, weil Sie denken „die hat viel Vitamin C“, dann handeln Sie aufgrund verstandesgesteuerter Intelligenz. Möchten Sie jedoch eine Kiwi essen, weil Sie spüren „darauf habe ich jetzt richtig Lust“, dann ist Ihre Kulinarische Körperintelligenz aktiv.

Vergessen Sie alles, was Sie über „gesunde“ Ernährung zu wissen glauben. Vertrauen Sie stattdessen Ihrer Kulinarischen Körperintelligenz, die Ihnen mit den instinktiven Triebfedern Hunger und Lust mitteilt, was gute Nahrung für Sie ist. Ernährung im Einklang mit diesen Gefühlen stellt Ihre individuell ausgewogene Nährstoffversorgung zur Lebenserhaltung sicher. Essen Sie daher nur, wenn Sie wirklich hungrig sind und zwar nur das, worauf Sie Lust haben und was Ihnen gut schmeckt. Genießen Sie Ihr Essen, bis Sie satt sind.

Nur das ist „Echtes Essen“ – die Verbindung von Lebenserhaltung und genussvollem Wohlgefühl. Es ist nicht so wichtig, was Sie essen, sondern wie Sie sich beim Essen fühlen: Je besser, desto besser.

 

Was ist ihr Hauptmotiv ihrer Arbeit?

Viele Menschen sind total übersättigt von den andauernden Ernährungsratschlägen, die sich je nach aktueller „Essmode“ alle paar Monate ändern: Sind heute viele Kohlenhydrate gesund, schwört man morgen auf weniger Fett und übermorgen ist mehr Eiweiß der Heilsbringer. Und dann mischen die teils selbsternannten Experten wieder neu und kredenzen frische Ratschläge – die alten Tipps haben ja nicht viel gebracht. Die Bürger spüren einfach, dass hier etwas aus den Fugen geraten ist und schenken den zahlreichen Ernährungstipps kaum noch Glauben. In unserer Gesellschaft vollzieht sich daher eine intuitive Rückbesinnung auf die Kulinarische Körperintelligenz. Man vertraut wieder stärker auf die eigenen Gefühle beim Essen, anstatt auf irgendwelche Warnungen oder Empfehlungen selbsternannter Ernährungspäpste zu hören.

Ich schreibe meine Bücher, um diese Strömung in unserer Gesellschaft zu unterstützen und die Menschen in ihrem natürlich richtigen Tun zu bestärken.

Die Zeit ist einfach reif dafür.

Ihre Ansicht ist: Gesund ist was schmeckt? Wieso?

Ganz einfach: Ihr guter Geschmack entscheidet! Essen Sie nur, wenn Sie hungrig sind und zwar nur das, worauf Sie Lust haben und was Ihnen gut schmeckt. Essen ist Genuss, der unser Leben erhält. Es ist weniger wichtig, was Sie essen, sondern dass Sie sich beim Essen gut fühlen!

Unser Körper steuert durch sein Wissen aus der Kulinarischen Körperintelligenz über Hunger und Lust, was wir zum Leben benötigen. Sie spüren es daran, dass Ihnen schmeckt, was Sie essen. Ihr guter Geschmack entspricht sozusagen einer „Akkreditierung“ der Nahrungsmittel. Umgekehrt ist wie bei allen Lebewesen auch beim Mensch der schlechte Geschmack ein Warnsignal des Körpers: „Unbrauchbar oder gefährlich – nicht ins System einspeisen!“ Unser Geschmack ist dafür „gemacht“, den Wert von Nahrung einzuschätzen. „Schmeckt gut oder nicht“ entspricht dem direkten, spürbaren Urteil.

Warum also sollten für einen Menschen Nahrungsmittel „gesund“ sein, die ihm nicht schmecken?

Welchen biologischen Sinn hätte der verstandesgesteuerte Verzehr von Lebensmitteln, die man nicht mag?

Ich gehe davon aus: gar keinen. Denn eine solche „Zwangsernährung“ widerspricht unserer Natur und kann sogar schaden. Essen Sie daher nichts, was Ihnen nicht mundet. Nur schmackhafte Mahlzeiten sind ein ganzheitlich gesundes Erlebnis für Körper und Geist, das der Lebenserhaltung dient.

Wären wir dazu nicht mehr in der Lage, könnten wir uns ins Grab legen. Unsere Instinkte und insbesondere die noch außerordentlich aktiven Urinstinkte zur Lebenserhaltung und Fortpflanzung, Essen & Sex, sind ein geniales Geschenk der Evolution. Diese Gefühle sind absolut tief und echt, sie erleichtern uns das Leben, denn ein wirklich gutes Gefühl heißt „gut entschieden, gut gehandelt“. Daher sollte jeder Mensch immer einen guten Draht zu diesen Emotionen haben.

Gerade beim Essen aber ist es tatsächlich so, dass bei vielen Menschen der Kontakt zu den instinktiven Triebfedern Hunger und Lust schwindet. Das liegt maßgeblich daran, dass aufgrund der permanenten Berieselung mit erfundenen Regeln zur gesunden Ernährung der Verstand häufig die Gefühle als Entscheidungsgremium ersetzt: „Das ist gesund, das habe ich gelernt, das kaufe ich.“ Je mehr aber die Gefühle Hunger und Lust in den Hintergrund geraten, desto unnatürlicher wird das vernünftige Essverhalten. Diese Menschen entfernen sich von ihren innersten Urinstinkten. Je größer die „innere Entfremdung“ wird, desto länger dauert es natürlich, bis das Ursystem den Ernährungstrieb wieder optimal steuert.

Aber es ist nie zu spät, seine Gefühle wieder zurückzuerobern. Essinstinkte verliert man nicht, denn sie dienen der elementaren Lebenserhaltung. Sie verkümmern nur, wenn sie permanent vom Verstand übertönt werden. Von daher kann ich nur jedem essenden Menschen raten: Kaufen Sie keine Lebensmittel, weil Sie denken, sie seien gesund. Kaufen Sie nur aus einem Grund: Weil Ihnen die Nahrungsmittel gut schmecken!

 

Die Menschen werden aber doch immer dicker?

Grundsätzlich wird sehr kontrovers diskutiert, ob wir uns tatsächlich in Richtung „Fettleibigkeitsepidemie“ entwickeln. Denn entscheidend ist das statistische Maß, an dem Menschen gemessen werden. Und der dazu dienende BMI ist alles andere als wissenschaftlich voll akzeptiert, um die Aussage „wir werden immer dicker“ zu belegen.

Unabhängig davon animiere ich in meinen Büchern ja nicht zur siebten Todsünde „Völlerei“, sondern gebe den Lesern einen essenziellen Rat: Essen Sie nur, wenn Sie Hunger haben. Dann sind auch alle Lebensmittel erlaubt. Das ist unser natürlicher Mechanismus des „Echten Essens“.

Der hungerfreie Verzehr von Nahrungsmitteln hingegen kann Probleme verursachen. Denn ohne Hunger zu essen heißt, sich mit unnötiger Energie vollzustopfen.

 

Macht Übergewicht nun krank oder nicht?

Das hängt sicher vom Einzelfall ab. Manche Studien bescheinigen Menschen mit einem BMI von 25 bis 27 ein längeres Leben, bei anderen Untersuchungen liegt der Langlebe-BMI sogar bei 25 bis 30. Dann gibt es Erkenntnisse, wonach ab einem BMI größer 30 das Risiko für zahlreiche Erkrankungen steigt. Aber, Sie können es sich fast denken, zeigen auch hier wiederum Forschungen, dass beispielsweise bei bis zu einem Drittel der Fettleibigen die Blutwerte normal sind. Gesundheit setzt sich nun mal aus zahlreichen Faktoren wie Umwelt, Lebensstil, Zufriedenheit, sexueller Erfüllung und vielem mehr zusammen. Gewicht ist einer davon.

Ich denke, wer sich krank fühlt, sollte am besten zum Arzt gehen.

 

Was halten sie von Diäten oder Schlankheitspillen?

Von zeitlich begrenzten Diäten: gar nichts. Diese temporären Abspeckkuren machen nicht dünner, sondern im Endeffekt nur dicker, wenn Sie danach wieder zu Ihren lieb gewonnenen Essgewohnheiten zurückkehren. Der Jo-Jo-Effekt und Heißhungerattacken lassen grüßen.

Wer wirklich abnehmen will und auch schlanker bleiben möchte, der sollte für eine lebenslange Aufgabe bereit sein.
Ebenfalls spielt die Genetik eine große Rolle – in meinen Büchern finden sich zahlreiche Forschungsergebnisse namhafter internationaler und deutscher Institute – beispielsweise Untersuchungen des Nationalen Genomforschungsnetz, der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften oder des University College of London im Zusammenhang mit Genetik und Gewicht.

Was „Schlankheitspillen“ betrifft: Auf keinen Fall sollten Sie unbekannte Wundermittel dubioser Anbieter aus dem Internet bestellen. Hier lauert große Gefahr, denn die Hersteller mischen abenteuerliche Mixturen zusammen, bei denen deutschen Experten die Haare zu Berge stehen.

Grundsätzlich gilt: Eine Pille gegen Fettpolster gibt es nicht. Wer jedoch gewichtsreduzierende Unterstützung in Pillenform sucht, dem bieten renommierte Pharmafirmen zumindest offiziell zugelassene Wirkstoffe an. Alle diese Mittel bedienen ein Grundbedürfnis des Menschen: Großer Effekt bei reduziertem Aufwand.

Dauerhaftes Abnehmen ist keine leichte Aufgabe, da kommen helfende Pillen für manche Menschen gerade Recht. Die meisten Substanzen wirken dabei entweder im Kopf oder im Verdauungstrakt. Aber auf beiden Wegen lauern Nebenwirkungen, zum Teil schwerwiegende. So musste 2008 ein großes Pharmaunternehmen seine Schlankheitspille wegen Depressions- und Suizidgefahr vom Markt nehmen. Auch der weltgrößte Medikamentenkonzern hat anschließend die Entwicklung seiner hauseigenen Tablette eingestellt, die nach dem gleichen Prinzip in den Hungerstoffwechsel eingreifen sollte.

Wer hingegen zu darmaktiven Schlankheitspillen greift, der kann im wahrsten Sinne des Wortes schon mal „betröppelt aus der Wäsche gucken“: Fettbindende Stoffe können beispielsweise zu öligem Stuhlabgang führen. Also Vorsicht beim Pupsen, wer diese Pillen schluckt! Wie heißt es so schön in der Medizin: Keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Schlankheitspillen sind ein zweischneidiges Schwert.

Mein Rat: Probieren Sie es besser erst ohne.

 

Es gibt eine Zunahme von Essstörungen – sind hier Diäten verantwortlich?

Die Gründe sind vielfältig und meist individueller Natur. Neben psychischen Problemen, die Auslöser sein können, gelten Diäten als „Einstiegsdrogen in Essstörungen“. Klar ist: Je stärker das Essen vom Verstand gesteuert wird und je mehr die gefühlten Signale Hunger und Lust ignoriert werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Essstörung entwickelt. Eine erfolgreiche Therapie muss das ursächliche Problem lösen, denn die Essstörung ist meist nur Symptom.

Als eine vorbeugende Maßnahme sollte bereits im Kindesalter das Vertrauen in die Kulinarische Körperintelligenz gestärkt werden. Weiter gilt es, maßgeblich verstand-gesteuertes Essverhalten bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu vermeiden.

 

Welche Ratschläge haben sie für zu dicke Jugendliche und ihre Eltern?

Zuallererst sollten Eltern sich die Frage stellen: Ist mein Kind wirklich zu dick oder hätte ich gerne einen schlanken, „maßstabgetreuen“ Nachwuchs? Haben Kinder offenkundig zuviel Kilos auf den Rippen, dann gilt es, die Ursachen herauszufinden. Warum isst mein Kind zuviel?

Aus biologisch echtem Hunger oder aus dreizehn anderen Gründen, wie Frust, Einsamkeit oder sozialer Ausgrenzung? Häufig findet sich das Essproblem nämlich nicht im Kühlschrank sondern im Kindergarten, in der Schule oder im familiären Umfeld. Sind die Ursachen des übermäßigen Essens geklärt, können Entscheidungen zur individuell maßgeschneiderten „Abspeckstrategie“ getroffen werden – entweder nur in der Familie oder mit professioneller Unterstützung durch ausgewiesene Experten.

 

Welche Ratschläge haben Sie für Erwachsene, die abnehmen wollen?

Fragen Sie sich: Will wirklich ich abnehmen oder werde ich durch mein Umfeld dazu genötigt? Fühle ich mich wohl, wie ich bin? Vielleicht kommen Sie dann zur der Erkenntnis, dass  Sie gar kein Interesse daran haben, abzunehmen. Falls doch der Entschluss zur Gewichtsreduktion steht, dann sollten Sie Grundlegendes beachten: Das A und O zur Entfettung ist eine negative Kalorienbilanz. Sie müssen weniger Energie aufnehmen, als Sie benötigen. Was Sie essen, ist egal. Hauptsache, es schmeckt Ihnen und Sie fühlen sich gut dabei.

Spezielle Diäten braucht kein Mensch. Insbesondere kurzfristige Diäten bringen auf Dauer nichts – außer, dass Sie danach noch schwerer werden.

Dauerhaftes Abnehmen ist eine Lebensaufgabe. Also ändern Sie neben Ihren Essgewohnheiten auch andere Stellschrauben in Ihrem Leben.

Bauen Sie insbesondere mehr Bewegung in den Alltag ein: Gehen Sie öfter zu Fuß und steigen Sie Treppen, statt den Fahrstuhl zu nehmen. Binden Sie Spaziergänge in Ihr Leben ein und schwingen Sie sich wann immer möglich auf Ihr Fahrrad. Idealerweise integrieren Sie Ihren Lebenspartner mit in Ihr „neues“ Leben, denn Abnehmen fällt gemeinsam wesentlich leichter. Wenn Sie professionelle Unterstützung wünschen, dann suchen Sie Rat bei ausgewiesenen Experten, die Ihnen eine individuelle Ernährungsberatung anbieten. Dann bekommen Sie ein Programm zur Umstellung des Ernährungsverhaltens, das genau auf Ihre Persönlichkeit, Ihr Leben und Ihre Vorlieben maßgeschneidert wird. Und keine Beratung von der Stange.

 

Täglich gibt es neue „Erkenntnisse“ aus Studien mit Ernährungsweisheiten – wie sind die für Laien zu bewerten?

Ernährungsstudien liefern meist statistische Zusammenhänge, die aus dem gesamten Lebenskontext isoliert wurden. Das sind allerdings nur Beobachtungen, niemals Beweise. Daher liegt es in der Natur der Dinge, dass unser „modernes“ Ernährungswissen mehr aus Mythen und Märchen besteht als aus fundierten Erkenntnissen. Aber diese Halbwahrheiten halten sich hartnäckig, da sie alle zum Zeitpunkt ihres „Entdeckens“ durch die Medien gejagt wurden, und zwar wie die berühmte Sau durchs Dorf.

Und wenn der Mensch eine gewisse „Wahrheit“ in sein eigenes Weltbild integriert hat, dann lässt er erst einmal nicht gerne davon ab. Ein Beispiel: Unter zahlreichen unabhängigen und kritischen Wissenschaftlern besteht inzwischen Klarheit, dass kalorienreduzierte Lightprodukte mit Süßstoffen sicher nicht schlank machen. Ganz im Gegenteil, es kristallisiert sich immer mehr der Effekt eines „Mehrverzehrs“ durch diese kunstgesüßten Produkte heraus. Aber jetzt fragen Sie mal einen Kunden im Supermarkt, warum er eine Cola Light im Einkaufswagen liegen hat. Auch wenn Sie ihm absolut glaubhaft erklären, dass dieses Getränk sicher nicht schlank hält, wird er sich höchst wahrscheinlich keine „böse, gezuckerte“ Cola kaufen – denn die macht ja gelerntermaßen dick. Dieser Umdenkprozess dauert.

Ich würde mich freuen, wenn meine Bücher auch dazu einen Beitrag leisten können, diesen „Change-Process“ zu beschleunigen: „Mythen und Märchen, verschwindet aus den Köpfen und macht Platz für intuitives Wissen – Platz für die Kulinarische Körperintelligenz.“

Warum unsere derzeitigen Ernährungsregeln kaum gesellschaftliche Relevanz haben, zeigt sich auch daran, dass sich fast kein Mensch daran hält. Die logische Frage ist doch: Warum nicht? Ganz einfach: Weil wir uns nicht danach richten möchten, denn die Essempfehlungen schmecken uns buchstäblich nicht. Was könnte also an gängigen Regeln gesund sein, die der Mensch intuitiv ablehnt?

 

Durch die sozialen Medien werden solche „Ergebnisse“ von vielen Personen verbreitet, die sich mit Ernährung beschäftigen. Worauf müssen diese Personen achten?

Ich denke, diese Personen sollen verantwortlich handeln – vor allem wenn sie sich als Experten fühlen – un gerade bei der Flut an Ernährungsmeldungen folgende Punkte (wenn individuell überhaupt möglich) beachten:

  • Wer ist Absender der Meldung / Pressemeldung – ein Unternehmen, eine Agentur, ein Lobbyverband oder ein staatliches Forschungsinstitut?
  • Wer hat die Untersuchung oder Studie bezahlt?
  • Erhalten zitierte Experten ein Honorar für ihre Aussagen, und falls ja, von wem?
  • Welche exakten Daten wurden wann und wie oft erhoben?
  • Stimmt die Headline mit der Kernaussage des Textes überein, oder wurde eine Meinung in den Vordergrund gestellt?
  • Wird neben der schwachen „relativen“ Wahrscheinlichkeit auch die aussagkräftige „absolute“ Wahrscheinlichkeit genannt?
  • Beziehen sich die Aussagen auf ein Produkt oder wird versucht, einen allgemein anerkannten Sachverhalt auf ein Produkt zu übertragen?
  • Seine eigenen Quellen stetig überprüfen und hinterfragen

Das Problem heutzutage ist aber der Zeitdruck – alles muss möglichst schnell verbreitet werden. Da sollte man sich auf die Pressemeldungen oder Quellen verlassen können.

Das fällt im Ernährungsbereich jedoch gar nicht so leicht.

Daher bewährt es sich in diesem Bereich – wenn man seriös arbeiten will – vor der Verbreitung intensiver zu recherchieren und eine grundlegende Skepsis an den Tag zu legen.

 

In ihren Büchern stellen sie etabliertes Ernährungswissen in Frage – Warum?

Dazu möchte ich mit einem Zitat des Hohenheimer Ernährungsexperten Professor Hans Konrad Biesalski antworten: „Die meisten Studien sind medial völlig überbewertet. Zu jeder Studie findet sich alsbald eine Gegenstudie.“ So ist es. Es gibt keine allgemeingültigen Ernährungsweisheiten „das ist gesundes Essen und das sind ungesunde Nahrungsmittel“. Von dieser Vorstellung sollten wir uns langsam aber sicher verabschieden – und stattdessen je nach Vorliebe die Vielfalt und Fülle an derzeit erhältlichen Lebensmitteln zu schätzen wissen

In meinen Büchern stell ich immer wieder Studien – oft auch weitgehend unbekannte Ergebnisse einander gegenüber.

Darüber hinaus kommen über kommen Experten und renommierte Wissenschaftler zu Wort, deren Erkenntnisse und Ansichten meine Darstellungen untermauern.

Ich stehe also mit meiner Meinung nicht alleine da, ich füge nur konsequent die aktuellen Mosaiksteinchen der Wissenschaft von 2007 bis heute zusammen und extrahiere daraus sowohl neue Schlussfolgerungen als auch zeitgemäße Diskussionsgrundlagen. Die Leser sollen sich anschließend ihr eigenes Urteil bilden, was sie glauben möchten oder eben nicht. Im Bereich Ernährung gibt es ohnehin nur persönliche Wahrheiten, die ausschließlich individuelle Gültigkeit besitzen. Denn Sie wissen ja: Jeder Mensch is(s)t anders.

 

Wenn alle Studien untauglich sind, warum zitieren sie dann welche?

Es geht in meinen Büchern nicht darum, bisherige Regeln in die Tonne zu treten und stattdessen neue „Wahrheiten“ aufzutischen. Die Leser sollen das glauben, was sie für richtig halten. Dazu stelle ich eine ganze Reihe an Studien vor, von denen man bislang noch nicht viel gehört hat. All diese Erkenntnisse der Wissenschaft dienen jedoch ausschließlich dazu, dass sich die Leser ihre eigene Meinung bilden – unabhängig von irgendwelchen Studien. Ob und welche Forschungen die Leser als glaubwürdig oder Scharlatanerie bewerten, das soll ihrem gesunden Menschenverstand überlassen bleiben. Insgesamt gilt beim Thema Ernährung: Jeder Mensch is(s)t anders. Daher gibt es keine universellen Wahrheiten. Schauen Sie doch nur mal über den kontinentalen Tellerrand nach Südamerika oder Asien. Allein daran sehen Sie schon, wie viele „Wahrheiten zum Essen“ existieren.

Glauben Sie also besser Ihrem guten Geschmack bei der Auswahl an Lebensmitteln, aber bitte keinen Studien!

Uwe Knop studierte Ökotrophologie in Gießen und erlangte das Diplom. Seit 2002 ist er als medizinischer PR-Berater für verschiedene Unternehmen aktiv. Darüber hinaus veröffentlicht er Ernährungsratgeber und ist für zahlreiche Presseberichte als Ernährungsexperte und als Referent für Fachgesellschaften tätig.

Eine Auswahl der Bücher findest du hier

fotocredits: ©alesmunt – stock.adobe.com & Uwe Knop

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