Lernleben-Gesundheitsblog

In diesem Blog erfährst du die wissenschaftliche Erklärung der Herzatmung – die praktische Anleitung dazu findest du hier.

Intrapersonelles Kohärenzmanagement (Herzatmung) meint die Einflussnahme auf sich selbst im Dienste der Erzeugung eines kohärenten Seinszustandes. Es geht um die Fähigkeit, durch gelernte oder antrainierte Methoden und Praktiken sich selbst zu regulieren, einen kohärenten Zustand zu erreichen bzw. diesen speziell in stressbesetzten Momenten und Situationen bewusst zu inszenieren oder aufrechtzuerhalten, um achtsam, empathisch, kooperativ, ressourcenschonend und emotional intelligent zu handeln. Es folgt auch hier eine kurze Erläuterung der funktionalen Wirkungsweise des Herzens (Kommunikation/Interaktion/Einwirkung auf das Gehirn) und der Möglichkeiten der Nutzung daraus resultierender Potentiale.

Das Herz – Weit mehr als ein Muskel

Uns ist es wichtig zu vermitteln, dass das Herz weitaus mehr ist als ein gut funktionierender Muskel, dessen Hauptaufgabe darin besteht, Zeit unseres Lebens ohne Unterbrechung ca. sieben Liter Blut pro Minute durch den Körper bzw. ein kilometerlanges Kreislaufsystem zu pumpen, indem es ca. hunderttausendmal am Tag schlägt, bis zu vierzig Millionen Mal im Jahr, ungefähr drei Milliarden Mal während eines durchschnittlichen Lebens. Das Herz schlägt bereits im Fötus, bevor sich das Gehirn ausgebildet hat und es ist momentan auch noch unklar, wie ein transplantiertes Herz wieder zu schlagen anfängt, obwohl noch keine (biologische) Verbindung zum Gehirn des Empfängers hergestellt wurde (Childre/Martin 2012, 29ff). Das Herz erscheint als das Zentrum von Kraft und Weisheit.

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Ein eigenes unabhängiges Nervensystem

Spannend und aufschlussreich erscheint uns vor allem die Tatsache, dass dem Herz ein eigenes, unabhängiges Nervensystem als Mittel zur Kommunikation mit dem Gehirn zur Verfügung steht. Ein komplexes System, auch gerne als „Gehirn im Herzen“ bezeichnet, mit mindestens vierzigtausend Neuronen, die Signale/Informationen (Botschaften) ans Gehirn übermitteln und auf spezifische Bereiche, z.B. des limbischen Systems, einwirken und dessen oben beschriebene Funktionsweise beeinflussen können (Grimm 2015, 49).

Das Herz kommuniziert also mit dem Gehirn und das sehr effizient und eindrucksvoll, indem es jenseits der bekannten lebenserhaltenden biophysikalischen Interaktion (über Druckwellen) mit dem Körper auch die Möglichkeit hat, neuronal (über Nervenimpulse), biochemisch/neurohormonell (über Hormone und Neurotransmitter) oder elektromagnetisch die Funktionen und Entscheidungsprozesse im Gehirn maßgeblich zu regulieren, ja sogar zu kontrollieren (Servan-Schreiber 2006, 56).

Für uns ist die Hypothese interessant, dass über das elektromagnetische Feld des Herzens ein Informationstransfer zum Gehirn stattfindet soll, der nicht nur  das Individuum selbst tangiert (intrapersonell), sondern auch für andere in der nahen Umgebung (interpersonell) spürbar ist (Grimm 2015, 94ff). Transferiert in unseren Kontext bedeutet das, dass die Fähigkeit, sich selbst über das Herz zu regulieren, um emotional intelligent zu handeln, sich auch auf andere positiv auswirkt zB. auf Partnerin oder Partner (Childre/Martin 2012, 59ff).

 

Die Methode der Herzatmung

Diese Atem-, Visualisierungs- und ͵Fühlmethodeʹ wird von dem amerikanischen HeartMath-Institut inzwischen seit über zwei Jahrzehnten erforscht und unter dem geschützten Markennamen HeartMath®, im Deutschen HerzIntelligenzmethode®, gelehrt. Inzwischen sind die Beeinflussung der HFV und die Messung durch verschiedenste Biofeedbackprogramme aber weit verbreitet und die unterschiedlichen Anbieter bedienen sich meistens einfach anderer Namen und ͵Herkunftsmythenʹ. Vereinfacht ausgedrückt geht es bei der Herzatmung darum, vielleicht nachdem auf anderem Wege (z.B. Bodyscan) bereits ein leichter Entspannungszustand induziert wurde, sich auf die Herzgegend zu konzentrieren, um sich dann vorzustellen, man atmet (langsam und gedehnter als sonst, am besten in einem 4-6 Sekundenrhythmus) „in“ das Herz, flutet es mit Sauerstoff, badet es darin oder atmet „mit“ dem Herzen.

Aktivierung positiver Gefühle

Als nächstes gilt es, positive Gefühle wie Freude, Liebe oder Dankbarkeit zu aktivieren und diese im Herzen zu spüren (Grimm 2015, 45ff). Das verlangt manchmal ein wenig Übung. Dadurch wird, wie bei klassischen Achtsamkeitsübungen, die Aufmerksamkeit (Energie) vom Problem abgezogen und die kaskadisch intrinsisch ablaufenden und oben beschriebenen (biochemischen und neurohormonellen) Prozesse werden gestoppt.

Die durch Stress stark eingeschränkte, äußerst selektive Wahrnehmung verändert sich, wodurch wieder Lösungsmöglichkeiten erkennbar werden. Zusätzlich werden aber durch diese Form der auf positiven Emotionen und die auf einer bestimmten Atemtechnik basierenden Selbstregulation, speziell aufgrund der ‚biochemischen Signatur’ der aktivierten Emotionen, kohärenz- und entspannungsfördernde Prozesse eingeleitet. Vereinfacht ausgedrückt, wird der Sympathikus gezügelt, eine damit einhergehende Ausschüttung von energieraubenden, zell- und nervenzerstörend wirkenden Stresshormonen gestoppt und gleichzeitig sein Antagonist, der Parasympathikus, innerviert.

Die Folgen für den Körper

Die Aktivierung des Parasympathikus bzw. des Herzens als Hormonproduzent (Grimm 2015, 37) sorgt u.a. für eine Senkung des Blutdrucks, die Konzentration gesunder, regenerierender Hormone (z.B. DHEA und Oxytozin) wird erhöht, das Immunsystem gestärkt und wir spüren diese wohltuende Wirkung in unserem ganzen Körper (Childre/Martin 2012, 38ff). Dadurch wird ein harmonisches, gut ausbalanciertes Wechselspiel von gesunder sympathischer Erregung (Eustress) und der Rückführung in die Entspannung, um wieder genügend Ressourcen für eine erneute erhöhte Aktivität zu generieren, inszeniert (Hennenhofer/Heil 1999, 16).

Zustand der Kohärenz

In einem derartigen Zustand der Kohärenz, der vorrangig durch das weitere Aktivieren und Spüren von positiven Gefühlen aufrechterhalten wird, sind wir umgänglicher, stressresistenter und resilienter, verstärkt zur Empathie fähig, empfinden Mitgefühl für andere, verhalten uns sozial und kooperativ und durch die Bündelung unserer Energien haben wir auch Zugang zu unserem gesamten Potential, was uns leistungsfähiger und effektiver macht.

Wie sich die Herzatmung einfach und praktisch umsetzen lässt erfährst du hier.

Dein Gernot Mayer

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Beitrag aus: Emotionale Intelligenz in Organisationen: Der Schlüssel zum Wissenstransfer von angewandter Forschung in die praktische Umsetzung / Kohärenzmanagement als Instrument zur Förderung und Integration der emotionalen Intelligenz in Unternehmen; Gernot Mayer & Rudolf Haberpeuntner

Literatur Quellen:

  • Cannon, Walter (1915): Bodily Changes in Pain, Hunger, Fear and Rage: An Account of Recent Researches into the Function of Emotional Excitement. New York.
  • Childre, D., Martin, H. (2012): Die HerzIntelligenz®Methode: Gesundheit stärken, Probleme meistern – mit der Kraft des Herzens. 4.Auflage. Kirchzarten: VAK.
  • Grimm, M. (2015): Heartness®: Das holistische Herzbewusstsein entdecken. Berlin: Pro BUSINESS.
  • Hennenhofer, G., Heil, K. (1999): Angst Überwinden: Selbstbefreiung durch Verhaltenstraining. Reinbek: Rowohlt.
  • LeDoux, J. (2004):  Das Netz der Gefühle: Wie Emotionen entstehen.München: Dtv.
  • Mayer, G. (2012): Die Kunst der Veränderung: Theoretisches Wissen zur praktischen Umsetzung, Saarbrücken: Trainer Verlag.
  • Servan-Schreiber, D. (2006): Die Neue Medizin der Emotionen: Stress, Angst, Depression: Gesund werden ohne Medikament. München: Wilhelm Goldmann.
  • Selye, H. (1991): Streß beherrscht unser Leben. München: Heyne