Lernleben-Gesundheitsblog

Je nachdem wie alt du bist, so hast du schon eine Fülle an Ernährungskampagnen und Empfehlungen erlebt und ausprobiert.

Und wie sie wieder zurückgenommen wurden.

Und neue Empfehlungen kamen.

Anfang 2018 hat die EU beschlossen, die 5-mal Obst und Gemüse am Tag Kampagne nicht weiter finanziell zu fördern.

Spät, aber doch. Gut so.

10 Jahre lang wollte man den Bürgern erklären, dass „5-a-day“ vor Krebs schützt.

Doch: Das alles ohne Beweis.

Waren es früher noch diverse Makronährstoffe die schädlich waren, wie Fett, Kohlenhydrate oder Eiweiß, so sind es heute es gar einzelne Lebensmittel, deren Wirkung man offenbar nachweisen kann, und die man unbedingt essen oder vermeiden sollte.

 

Zahlen, Daten, Fakten

Wir brauchen Beweise. Haben wir keine vorliegen, dann werden wir schon welche finden.

Doch die gängigen Empfehlungen basieren auf sogenannten Beobachtungsstudien.

Alleine diese Methode ist schon sehr fragwürdig.

Hier werden Ergebnisse nach Korrelationen – also statistischen Zusammengängen – konstruiert.

Des Weiteren basiert das Datenfundament auf stets unüberprüfbaren Angaben der Probanten.

Ob es stimmt was sie ankreuzten, gegessen und getrunken zu haben? Niemand weiß es!

 

Beispiele gefällig?

Nimmt man unter anderem die WHO-Daten von 2018, sowie die Daten über den Konsum von Schokolade, so kommt man zu erstaunlichen Ergebnissen.

WHO – Zahlen 2018 – Schweiz

Die Schweiz ist Spitzenreiter:

  • Lebenserwartung bei 83 Jahren,
  • tiefster Body-Mass-Indes (BMI) in Europa (dünnste Frauen)
  • und sogar die meisten Nobelpreisträger (pro 10 Millionen Einwohner)

Parallel dazu haben die Schweizer den höchsten Schokoladenkonsum weltweit.

Schokolade ist gesund / macht schlank / verlängert das Leben

Wenn man nun diese Zahlen statistisch zusammensetzt ergibt das eine Korrelation – einen statistischen Zusammenhang.

Somit wäre die Schlussfolgerung: Schokolade zu essen beschert ein langes Leben, macht schlank und auch noch klug.

Dazu gibt es einige Forschungen, die bescheinigen, dass Schokolade das Risiko der wichtigsten Erkrankungen nicht erhöht – sogar eine schwach inverse Korrelation offenbart sich des Öfteren:

Je mehr Schokolade, desto niedriger das Erkrankungsrisiko.

Du findest das schwachsinnig?

Wenn man statt Schokolade aber nun Ballaststoffe, Obst & Gemüse – wie zB. irgendein Superfood oder Brokkoli – einsetzen würde, dann ergäbe das Sinn?

Dann bist du jetzt in die „Falle der Ernährungsempfehlungen“ getappt.

Natürlich ist ein kausaler Zusammenhang zwischen Schokoladenkonsum und Lebenserwartung, BMI oder gar Intelligenz nicht erwiesen. Kann sein, kann aber auch nicht sein.

Aber es klingt verlockend und ist allemal eine Schlagzeile wert.

 

Die Wissenschaft und ihre Grenzen

Echte Wissenschaft ist evidenzbasiert – also der Kausalzusammenhang ist beweisbar.

Dafür braucht es eine Methodik, Probandten-, Kontrollgruppen, Randomisierung, Verblindung, Plaezebos usw…

Auch gibt es unzählige andere Faktoren, die Gesundheit beeinflussen, und die man nicht einfach ausschließen kann – externe Störfaktoren („confunder“).

Wir wissen etwa, dass Menschen, die sich ausgewogen ernähren, auch eher Sport treiben und allgemein mehr auf ihre Gesundheit achten.

Auch wissen wir nicht, welchen Einfluss ein gutes Sexleben, Zufriedenheit mit sich und der Welt oder ein dickes Portemonnaie hat.

Prof. Susan Jebb, Ernährungswissenschaftlerin in Oxford: „Eines der großen Probleme bei Ernährungsforschung ist, dass man dadurch, dass man Leute fragt, was und wieviel sie gegessen haben, nicht unbedingt die Wahrheit erfährt.“[1]

Korrelationen sind keine Kausalitäten

Es geht um KausalitätenUrsache-Wirkungs-Beziehungen. Und genau das ist nahezu unmöglich, diese herauszufiltern.

Die Ernährungswissenschaft weiß das, trotzdem machen viele munter weiter.

Doch Beobachtungsstudien können nur statistische Zusammenhänge herstellen.

Sie sind nicht geeignet präventive oder gar therapeutische Empfehlungen abzuleiten.

Es ist ein desolater Zustand ohne erkennbaren Ausweg.

Prof. John Ioannidis, einer der führenden Wissenschaftler weltweit, kritisierte nicht nur im JAMA (Journal of the American Medical Association) kritisierte 2018 die Ernährungsforschung hart und forderte einen radikalen Relaunch.[2]

 

Weil wir lieber glauben, statt uns zu spüren

Warum aber sind diese Empfehlungen trotzdem für uns so verlockend?

Weil wir gerne anderen glauben, statt auf uns selber zu hören.

Wir werden schon als Kinder für eine vermeintliche „gesunde Ernährung“ konditioniert, mit dem Alter wird nur der Kreis der Beeinflusser größer.

Sich selber wieder zu spüren, ist ein langer Weg zurück – aber der richtige Weg.

„Wenn jeder für sich herausfindet, was gut für ihn ist, finde ich das fantastisch.“, sagt Prof. Christoph Klotter, Hochschule Fuldar [3]

 

Gesunde Ernährung für alle? Kann man nicht genau definieren!

Die Mainstream-Ernährungsforschung gleicht dem Lesen einer Glaskugel.

Auch für Anhänger gesunder Ernährung ist das (leider) so.

Aus diesem Mainstream entstehen „powersellende“ Ernährungspäpste und Besser-Esser-Gurus. Deren Behauptungen haben keinerlei wissenschaftliches Fakten-Fundament, stattdessen dominieren Fake-News.

 

Das sagen Experten zum Thema Ernährung

  1. „Was am Ende bleibt, ist sich ausgewogen zu ernähren. Dabei sollte man von allem Essen und Lust und Spaß im Zuge des ganzen Gesundheitswahns nicht verlieren“ (Prof. Jana Rückert-John – Hochschule Fulda) [4]
  2. „Essen sie was sie wollen, aber in vernünftigen Mengen“ (Prof. Christine Brombach, ZHAW Züricher Hochschule für angewandte Wissenschaften) [5]
  3. „Wer ein bisschen über deine Ernährung nachdenkt, braucht keine Ernährungspyramide, sondern nur den gesunden Hausverstand.“ (Prof. König) [6]
  4. Gesundheitsbezogene Aussagen, über Ernährung sollten stets mit einer gesunden Portion Skepsis betrachtet werden“ (Dr. Rainer Spenger, GF des Vereins für Konsumenteninformation VKI) [7]
  5. Es gibt nicht „die Ernährung für alle“ – es gibt so viele gesunde Ernährungen wie es Menschen gibt, denn: Jeder Mensch is(s)t anders.

Das vermittle ich gerne detailliert, datenfundiert und wissenschaftsbasiert in meinen Vorträgen, als Keynote Speaker und Buchautor

Ihr Uwe Knop

Fotos: (c) Uwe Knop, © fotomek – stock.adobe.com

[Uwe Knop auf wikipedia] & Quellen der Zitate auf Anfrage beim Autor erhältlich

Kostenlose Gesundheitstipps

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an und erhalten Sie jede Woche kostenlose Gesundheitstipps.

Sie erhalten in Kürze eine E-Mail von uns! Bitte bestätigen Sie diese um sich für unseren Newsletter anzumelden!