Lernleben-Gesundheitsblog

Warum nur ist in unserer Gesellschaft das Abschiednehmen so negativ besetzt? Wir hängen an dem, was nicht mehr ist, blicken rückwärts und sehen dabei nicht die Möglichkeiten und Freiheiten, die uns ein Abschied erst ermöglicht. Es ist sicherlich schmerzhaft, einen geliebten Menschen oder ein geliebtes Tier zu verlieren, oder aber auch nur eine Arbeitsstelle oder einen vertrauten Gegenstand, an dem viele Erinnerungen hängen.

 

Der Griff ins Leere

Unmittelbar wendet sich unser Blick zurück in die Vergangenheit. Wir betrachten nochmals das Schöne und vergessen dabei oft, den Blick nach vorne  zu richten. Das vergangene festhalten zu wollen, nicht loslassen zu können, das macht uns erst richtig fertig. Wie soll man das Vergangene festhalten? Es wird immer ein Griff ins Leere sein.

So paradox es klingt, wie wäre es, Dankbarkeit und Freude zuzulassen? Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit, die man miteinander verbringen durfte, für die schönen Erlebnisse, für die Freude miteinander. Und aus dieser schönen Erinnerung die Zuversicht zu gewinnen, dass auch zukünftig schönes in meinem Leben Platz hat. Und damit auch den Blick für all das schöne, das uns im Leben begegnet, zulassen, so dass wir es erst richtig erkennen können.

Unser Leben ist ein ständiges Abschied nehmen. Nur so schaffen wir Platz für neues, seien es Beziehungen, Freundschaften, oder auch nur Gegenstände und Hobbies.

 

Wenn fehlende Akzeptanz zur Qual wird

Ich betreue in einem Altersheim eine schwerkranke Frau, die nicht akzeptieren kann, dass sie nicht mehr zu Hause wohnen kann. Ihr voriges zu Hause gibt es nicht mehr, das Haus wurde abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Trotz der Unabänderlichkeit der Situation, das alte Haus ist ja abgerissen, beharrt sie darauf, in ihre alte Wohnung zurückzukehren. „Ich habe keine Heimat mehr, ich möchte zurück in meine alte Wohnung, dem, der mich hier hereingebracht hat, dem wünsche ich nichts Gutes, was soll ich hier, ich will nicht hier sein, ich bin eine Gefangene…  usw.“

Es gibt kein anderes Thema für diese Frau, als dass sie in ihre alte Wohnung zurück möchte. Dabei nahm sie nicht wahr, wie sehr sich die PflegerInnen um sie bemühten, versuchten, ihr eine neue Heimat zu geben, für sie da zu sein, sie eingeladen war zu diversen Aktivitäten, welche sie jedes mal aber konsequent und prompt ablehnte. Auch die anderen BewohnerInnen wollten sie in ihre Mitte aufnehmen, ohne Erfolg. Kein freundliches Wort geht über ihre Lippen,  sie sitzt verbittert und alleine, ohne Kontakt mit den anderen in ihrem Zimmer und beklagt ihr Leid.

 

Eine Frage der Perspektive

Seit ich sie betreue, ist der erste Satz, den sie zu mir spricht: „ich will nicht da sein, ich will heim“. Sie vereinsamt immer mehr, auch die PflegerInnen erledigen nur mehr ihre Arbeit fachgerecht, und mehr geht nicht mehr. Die alte Frau hat sich ihre eigene Hölle auf Erden geschaffen, aber sie merkt es nicht mehr. Denn sie hält eisern daran fest, nach Hause zu wollen…

Ganz anders jene MitbewohnerInnen, die sagen, es ist schade, dass ich nicht mehr zu Hause wohnen kann, ich hatte eine schöne Wohnung, aber dafür muss ich mich hier um nichts kümmern und habe lauter liebe Menschen um mich. Und sich freuen über die verschiedenen Aktivitäten und die gemeinsame Zeit beim Spielen, Musizieren oder bei Ausflügen.

Zwei Mal die selbe Medaille…

Ihr

Dr. Kurt Moser

©svetazi – stock.adobe.com

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