Lernleben-Gesundheitsblog

Hier ein weiterer Auszug aus meinem Buch „Der Körpernavigator und ein kurzer Einblick in die doppelmoralistische Propagandamaschine der „Fleischverzichter“. Ich zeige Ihnen anhand eines einfachen Bespiels wie öffentliche Meinung von nur ganz wenigen gemacht wird und wie machtlos wir sind, wenn wir unseren eigenen Hausverstand und unser Körpergefühl außen vor lassen.

Dies ist nur ein Beispiel von hunderten, die jährlich veröffentlicht werden. Eine Lüge wird aber nicht wahrer, nur weil sie öfter wiederholt wird.

 

Veggie Studien – ich mach mir die Welt,…

Vielleicht erinnern sie sich noch an die Schlagzeile „Fleischverzehr erhöht das Sterberisiko“. Diese Headline gehört zu einem Online Text des Vegetarierbundes Pro Veg, visualisiert mit einem Friedhofsbild, das Grabsteine zeigt, so weit das Auge reicht.

Basis dieser „Todesdrohung“ war die Beobachtungsstudie EPIC. Wieder wurde uns eine Ursache-Wirkungs-Beziehung vorgegaukelt, die faktisch nicht besteht. (Hier erfährst du, warum du dich von Ernährungsempfehlungen trennen solltest)

 

Falschinformation

Vorab verdreht die Überschrift bewusst die Aussage der Studie. Hier wuchern Falschinformationen sowohl im ProVeg Beitrag, als auch in der Originalstudie, die seitens der Redakteure entweder nicht gelesen, oder bewusst falsch interpretiert wurde.

 

Was wurde eigentlich untersucht?

In der Studie wurde die Sterberate mit dem Fleischkonsum korreliert. Dabei fanden die Autoren weder beim Verzehr von rotem Fleisch, noch bei dem von Geflügel einen statistisch signifikanten Zusammenhang mit den Todesfällen.

Lediglich für „verarbeitetes Fleisch“ konnte ein moderater Zusammenhang beobachtet werden, der jedoch bei Analyse der Originaldaten mehr als fragwürdig erscheint.

Im ProVeg Artikel liest sich das dann so: „Es konnte gezeigt werden, dass der Konsum von rotem, insbesondere verarbeiteten Fleisch einen hohen Einfluss auf die Gesamtmortalität hat“

 

Was der Leser versteht

Damit wird dem Leser suggeriert, die Studie habe ergeben, dass Steaks und Hamburger sein Leben nennenswert verkürzen. Doch das stimmt einfach nicht.

Denn der Studie zufolge hat weder rotes Fleisch noch insbesondere „verarbeitetes Fleisch“, sondern wenn überhaupt nur verarbeitetes Fleisch einen statistischen Einfluss – und zwar auch nur einen „moderaten“ und keinen „hohen“ wie im Artikel behauptet.

 

Die Eskalation mit Falschinformation geht weiter

Und die Autoren setzen noch eins drauf: „Nicht nur die Gesamtmortalität erhöhte sich durch den Fleischkonsum, sondern auch das Sterberisiko an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs“.

Genau das wird aber in der Originalstudie verneint. Kein statistisch signifikanter Zusammenhang von „Rotfleisch“ und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

 

Mehr Geflügel, längeres Leben

Die EPIC Autoren stellten hingegen fest, dass „Wenig-Geflügel-Esser“ früher sterben als „Viel-Geflügel-Esser“. Weiter war die Gesamtsterblichkeit bei den Wenig- bis Kein-Rotfleisch-Essern höher im Vergleich zu nahezu allen anderen Gruppen.

Obgleich diese Hauptbotschaften in der Studie nur Randnotizen sind, weil sie nicht ins gern propagierte Bild des „bösen Fleischs“ passen, hätten auch die Vegetarier-Lobbyisten der Glaubwürdigkeit und Vollständigkeit halber auf diese Ergebnisse hinweisen müssen.

Das eigentliche (harmlose) Resümee der Studie

Dafür resümieren die Autoren dementsprechend eindeutig: „Es schein, dass ein geringer, aber nicht ein Null-Fleischkonsum gesundheitsfördernd sein könnte.“

Ob das die ProVeg Autoren auch gelesen haben? Wurde die Studie überhaupt analysiert?

Selbst der Zusammenhang mit dem verarbeitetem Fleisch ist – bei genauerem Hinschauen – sehr dubios hergestellt.

 

Es wurde in der Studie legal getrickst

Ob mit Männern und Frauen, unterschiedlichen Berechnungsgrundlagen der Sterblichkeit oder der Nicht-Nachvollziehbarkeit mathematischer Berechnungen und statistischer Signifikanzen, sowie der unklaren Definition von „verarbeitetem Fleisch“ – diese Studie wirft mehr Fragen an der Methode als am Ergebnis auf.

Wäre die Studie professionell erstellt, dann hätten die Autoren den Zusammenhang zwischen Sterblichkeit und dem Gesamtverzehr von Wurst und Fleisch geprüft. Aber genau das ist unterblieben bzw. wurden diese Ergebnisse nicht mitgeteilt.

Den Autoren von ProVeg war das noch mehr egal. „Augen zu und durch“ – Hauptsache: „Fleisch erhöht das Sterberisiko“.

Wer liest schon zwischen den Zeilen?

 

Die Doppelmoral der Lobbyisten – wie der Spieß umgedreht wird

Neben dieser vegetarischen Desinformation spiegelt der Artikel auch die Doppelmoral wider, Studien nach eigenen Vorstellungen unterschiedlich zu bewerten. So hat ProVeg im Feber 2014 eine Studie der Medizinischen Universität Graz massiv angegriffen, die gezeigt hatte, dass „Fleischverzichter“ mehr Krankheiten aufwiesen als Fleischesser. Vegetarier haben öfter Krebs und mehr Herzinfarkte, leiden wesentlich häufiger an Allergien und zeigen mehr psychische Störungen als Viel-Fleisch-Esse. Darüber hinaus ist die Lebensqualität der Vegetarier niedriger und sie benötigen mehr Leistungen des Gesundheitssystems.

 

Das bemerkenswerte an dieser Studie

Die Autoren postulierten hier keine Ursache-Wirkung-Beziehung, sondern es wurde klar und deutlich darauf hingewiesen, dass hier nur Korrelationen vorliegen, für die es keine Erklärung gibt.

„Ob die schlechtere Gesundheit der Vegetarier durch deren Ernährung verursacht wird oder ob sie wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes zu Vegetariern werden, das kann nicht festgestellt werden.

ProVeg ignorierte dies und brannten ein mediales Feuerwerk der Diskreditierung über die Forscher nieder. Die Studie habe Mängel, sei schlecht gemacht und die Ergebnisse unbrauchbar. Nachvollziehbar, weil nicht im Interesse.

Nur wenige Tage später erschien der „Fleischkonsum erhöht Sterblichkeit“-Artikel.

 

Andere Ernährung, gleiche Lebenslänge

Zum Ende sei erwähnt. Die EPIC-Oxford-Analyse hatte bereits ergeben, dass ich Vegetarier und Fleischesser in puncto Gesamtmortalität nicht unterscheiden. Diese glaubwürdige Ergebnis wurde dann 2014 bestätigt. In einer Meta-Analyse (https://de.wikipedia.org/wiki/Metaanalyse) von acht Studien mit mehr als 183.000 Teilnehmern zeigte keinen Unterschied in der Sterblichkeit von Vegetarier und Allesessern.

 

Weitere Ergebnisse

Zeitgleich kamen zwei andere Studien (Manchester & Würzburg) zu dem Ergebnis: Es ist kein Zusammenhang zwischen koronaren Herzerkrankungen (KHK) und Nahrungseiweiß erkennbar (weder insgesamt, noch differenziert zwischen tierisch und pflanzlich).

Ob man also Fleisch, Fisch, Milch oder Gemüse, Nüsse oder Eier isst, hat demnach keinen Einfluss auf Herzkrankheiten. Einziger „Ausreißer“ war ein geringeres Risiko bei hohem Geflügel-Fleisch Verzehr, wobei auch das mit Vorsicht zu genießen ist.

 

Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei

Lobbisten-Artikel dienen dazu ihre Interessen zu bedienen und Konsumenten zu beeinflussen. Das hat mit seriöser Information nichts zu tun. Und steht es mal im Netz und findet mitunter noch Verbreitung in den Sozialen Medien ist dem nicht mehr Herr zu werden. Relativierungen oder gar Klarstellungen verpuffen im Sog viraler Verbreitung.

Konsumieren sie Information in Verwendung ihres gesunden (Haus)Verstandes und sehen sie Informationen auch kritisch. Gerade wenn es um vermeintlich „gesunde Ernährung“ geht, können sie auch ihrer Intution vertrauen.

Ihr Uwe Knop

fotocredits: ©metamorworks – stock.adobe.com

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