Lernleben-Gesundheitsblog

Süchte sind so alt wie die Menschheit selbst und natürlich ist nicht alles schlecht an ihnen, aber wenn moderne Technologien im Dienste einer kapitalistischen Wirtschaftsform unser aller Gesundheit und speziell die gesunde Entwicklung von Kindern gefährden, ist Schluss mit lustig! Leider ist vielen die schleichenden Gefahr aber noch nicht so ganz bewusst und gerade wir, die Erwachsenen, die es besser wissen sollten, um als Mentoren verantwortungsvoll voranzugehen, sind keinesfalls selbst immun gegen die geschickt inszenierten Verlockungen der Moderne.“

 

Also, um was geht’s?

Kurz gesagt darum, dass uns eine vermehrt künstliche, technologische, unnatürliche, mit ständig wachsender Informationsflut überhäufende Umwelt körperlich und geistig krank machen kann und dass das nicht unbedingt ein Zufall ist.

Verschwörung? Nein gar nicht, reine Kalkulation von Seiten derer, die davon profitieren und dagegen gilt es achtsam, in meinem Fall durch Aufklärung und Erkenntnisgenerierung im Dienste der Gesundheit und des Glücklichseins vorzugehen. Mir scheint eine verstärkte Bewusstseinsbildung diesbezüglich auch zwingend notwendig. Warum?

 

Die Komplexitätszunahme durch die digitale Welt und dabei entstehende Süchte

Gemäß dem „Mooreschen Gesetz“ kommt es ca. alle 1,5 Jahre zu einer Verdoppelung der Komplexität bzw. Leistungsfähigkeit unserer technischen Geräte und wenn man dem „Gesetz des sich beschleunigenden Nutzens“ Glauben schenkt, zu einer exponentiellen Zunahme der Qualität und Quantität technischer Errungenschaften.

Dadurch wird unser neuroplastisch zwar sehr formbares, aber nicht so schnell updatebares Gehirn baldigst vor immense Herausforderungen gestellt sein. Es bedarf einer ständigen Anpassungsleistung, die jetzt schon vielen nicht mehr gelingt, was sich negativ auf die körperliche und die mentale Gesundheit auswirkt.

Zusätzlich bringt dieser Wandel, diese rasant fortschreitende digitale Revolution auch neue Süchte hervor, weil viele soziale Medien und immer ausgeklügeltere Apps ganz bewusst Mechanismen in unserem Gehirn, im Belohnungssystem ausnutzen, um z.B. durch eine vermehrte Ausschüttung von Dopamin, einem Glücksbotenstoff, der den User ein kurzes Glücksgefühl erleben lässt, diesen so schleichend, aber äußerst geschickt süchtig zu machen.

Das dann schon baldigst auftretende „Craving“ (Suchtdruck) bzw. die Entzugserscheinungen wollen natürlich wieder gestillt und gemildert werden und schwupps, schon befindet man sich in der klassischen Suchtspirale. Man konsumiert, wird belohnt bzw. belohnt sich selbst und braucht alsbald stärkere Reize, um den ersehnten Zustand noch herbeiführen, erleben zu können.

 

Wie kommt es dazu, was passiert da im Speziellen und warum wird man süchtig?

Menschen wollen per se unbedingt dazugehören, das liegt in unserer Natur, ist genetisch, biologisch in uns verankert. Wir suchen soziale Nähe, Bindung und Geborgenheit und indem man z.B. etwas liked oder postet erlebt man sich einer Gruppe zugehörig, fühlt sich sicher und geschützt und ist als Mitglied dieser Gruppe auch bereit diese zu verteidigen.

Andere wollen sich beweisen, gesehen, beklatscht und anerkannt werden und in Zeiten, wo narzisstische Persönlichkeitsstrukturen das Internet erobern, um zu zeigen, was sie alles können oder haben, scheint das bald völlig normal und erstrebenswert zu sein, was auch mit einem Verlust an Empathie anderen gegenüber einhergehen kann. Viele regulieren so ihren Selbstwert, kompensieren ihre (eingebildete) Minderwertigkeit, die gerade durch den ständig möglichen Vergleich mit anderen am Leben erhalten wird.

Wieder andere sind auf der Suche (Sucht) nach Neuem, scrollen fleißig weiter und hoffen voller Vorfreude auf Spannung, Spaß und Spiel, aber auch Ekel und Angst triggert eine Unmenge süchtig machender biochemischer Botenstoffe und etwas Süßes obendrauf lässt unsere Dopaminrezeptoren zusätzlich jubeln.

Oder man „wischt“ sehnsüchtig darauf hoffend, dass endlich der oder die Passende, die so schmerzhaft erlebte Leere ausfüllt, weil Chips (binge eating und emotionales Essen) auf Dauer diesen kompensatorischen Dienst nicht leisten können.

Auch Abenteuer und Aktion, beim Kampf mit dem Endgegner in wilden Fantasiewelten erlebt, stimuliert das Belohnungszentrum und die „reale“, also körperliche Selbststimulation (Internet-Pornografiesucht) anhand von erregenden Bildern und Filmchen, die ständig nachgeliefert werden, stellt die Krönung der Selbstbefriedigung dar, geschaffen durch eine Industrie, die nie schläft, per Mausklick jederzeit, ohne wirkliche Beschränkung zugänglich ist, jetzt auch schon über den Glücksspielautomaten, den inzwischen fast jeder in der eigenen Hosentasche trägt.

 

Alles Zufall oder geschickte, perfide Manipulation?

Die von den Entwicklern der Apps dabei genutzten Tricks, um den User, den Suchenden bei der Stange zu halten, sind raffiniert und bis ins Detail durchdacht bzw. perfekt auf die neurobiologische Funktionsweise unseres Gehirns abgestimmt.

Der „Likebutton“ z.B., auf dem die (einsame, isolierte) Maus im Experiment einfach sitzen bliebe, auch wenn es ihren Tod bedeuten würde, sorgt für den so heiß ersehnten Dopaminpush. Unendliches nach-unten-Scrollen ist wie eine Chipstüte ohne Boden.

Das Hüten und Nähren süßer Flämmchen (Snapchat) baut nicht nur die vom Hersteller erwünschte Bindung, sondern auch einen enormen Druck auf. Auch der Stolz oder das Lob, das man erhält, wenn man etwas Tolles selber zusammengebastelt und gepostet hat (Ikea-Effekt), auch wenn`s nur eine Diashow vom letzten Urlaub ist, will wieder gefühlt werden.

Falls da noch ein paar Kilos oder eine Falte zu viel das Idealbild verunstaltet, gibt’s genügend Filter oder zur Not halt Photoshop, bis man dem angestrebten Vorbild entspricht. Und selektiv wirkende Algorithmen erzeugen auch noch eine Filterblase, vergrößern eher den eigenen blinden Fleck und man bleibt Gefangener der selbst inszenierten (Schein-)Welt, die immer mehr dem Stillen der eigenen Sucht dient und schlussendlich mit „der Wirklichkeit“ verwechselt wird.

Die daraus resultierenden ungesunden Nebenwirkungen sind vielerlei. Es gibt körperliche, wie z.B. Übergewicht und Kurzsichtigkeit, aber inzwischen vor allem eine Unzahl an psychischen Nebenwirkungen, Tendenz steigend. Therapeuten, Trainer, Coaches und Berater haben ein neues, stetig wachsendes Betätigungsfeld, das es zu verstehen gilt, um den Betroffenen helfen zu können.

 

Was kann man selber tun?

Die Empfehlungen sind einfach und schnell aufgelistet, nur die Umsetzung dieser ist für den bereits Süchtigen halt oft nicht so leicht. Deshalb muss digitaler Detox bzw. ein achtsamer Umgang mit digitalen Medien schon sehr früh gelernt und trainiert werden, speziell weil das kindliche Gehirn noch kaum Abwehrmechanismen zur Verfügung hat.

Ebenso sind ein stabiler Selbstwert, genügend körperliche Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und die Zugehörigkeit und Einbindung in ein soziales Netzwerk das Fundament für eine gesunde Entwicklung.

Darüber hinaus gilt es eine Sensibilität für das eigene Suchtverhalten zu entwickeln und die eigenen Bedürfnisse, Sehnsüchte und Wünsche zu kennen, um diese auf nachhaltige Weise zu stillen bzw. zu verwirklichen.

Da hilft natürlich Aufklärung und persönlichkeitsbildende Weiterbildungen aus dem Bereich Mental- oder Achtsamkeitstraining und eine regelmäßige Innenschau und Selbstreflexion.

Eine stabile Persönlichkeit ist nicht so leicht zu verführen und auch Willensstärke ist trainierbar, aber vor allem muss sich auch die Gesellschaft ihrer Verantwortung bewusst werden, damit sinnvolle, der physischen und psychischen Gesundheit dienende regulative Maßnahmen „von oben“ den Einzelnen unterstützen und schützen.

 

Wo kannst du das lernen?

Jetzt kommt`s. Bei uns im Seminar, in unseren Workshops und Masterclasses natürlich!!! Werbung ist zwar nicht mein Ding, aber es ist die Wahrheit und ehrlich gemeint.

In unseren Basis und Next Level Mentaltrainingslehrgängen ist natürlich die Schulung des Geistes (mental, kognitiv), der Umgang mit Gefühlen (emotionale Intelligenz), die Selbstreflexion, -Verwirklichung und Sinnsuche und natürlich auch Achtsamkeit ein zentrales Thema.

Und in unseren Achtsamkeits-, Meditations- und Schweige-Retreats kannst du diesbezüglich sehr tiefgehende, lehrreiche und sofort in den (digitalen) Alltag integrierbare Erfahrungen machen.

Hier auf meinem Profil findest du alle Infos zu Veranstaltungen und meinen Artikeln,

Dein Gernot Mayer

fotocredits: photoschmidt 2017, stock.adobe.com

 

Süchte und andere unsgesunde Bewältigungsstrategien, Teil 1 – Die Internetpornographiesucht

 

Süchte und andere ungesunde Bewältigungsstrategien, Teil 2 – Die Kauf- und Internetspielsucht

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