Lernleben-Gesundheitsblog

Leiden Sie unter den gegenwärtigen Ausgangssperren und Quarantänebestimmungen? Oder ist ihr Leben gar ein einziges Leiden?

Warum eigentlich? Objektiv betrachtet, geht es uns ja gar nicht schlecht. Zugegeben, wir dürfen uns nicht frei bewegen. Eingesperrt zu sein, auch in dieser milden Form wie jetzt, kann schon belastend sein. Aber wir haben genug zu essen, eine hervorragende medizinische Betreuung, um die uns viele Länder beneiden, ein Dach über dem Kopf, können per Telefon oder Computer mit unseren Liebsten Kontakt halten usw…

Ich möchte ihnen eine kurze Geschichte über das Leiden und das Glück erzählen und sie zum Nachdenken anregen.

 

Leiden ensteht im Widerstand gegen das Leben

Und doch leiden so viele unter uns. Warum eigentlich? Leiden entsteht immer dann, wenn ich mich im Widerstand gegen das Leben befinde. Wenn ich unbedingt will, dass das Leben so abläuft, wie ich es mir vorstelle oder wie ich es gewöhnt bin. Nur, das Leben richtet sich nicht nach meinen Wünschen aus. Es folgt seinem eigenen Plan.

Es gibt Dinge im Leben, die können wir ändern. Und es gibt Dinge im Leben, die können wir nicht ändern. Wenn ich meine Frisur ändern will, so ist das etwas, über das ich bestimmen kann. Somit steht es mir frei, diese zu ändern. Wenn ich mit dem Wetter nicht einverstanden bin, so ist das ein Umstand, den ich nicht ändern kann. Wenn ich das nicht akzeptieren will, bin ich schon im Leiden gefangen. Oder aber ich akzeptiere das Wetter so, wie es ist, auch wenn es mir nicht gefällt und mache das Beste daraus, dann habe ich nicht nur dem Leiden ein Schnippchen geschlagen, es eröffnen sich mir ganz im Gegenteil vorher ungeahnte Möglichkeiten.

 

Widerstand gegen Unabänderliches

In meinem Beruf als praktischer Arzt erlebe ich immer wieder die gewaltigen Widerstände meiner Patienten gegen Unabänderliches und das daraus resultierende Leiden, dem Glauben, ein Opfer des Schicksals zu sein und nichts Gutes im Leben zu erfahren.

Dazu möchte ich Ihnen eine Geschichte aus der Anfangszeit meiner selbstständigen ärztlichen Tätigkeit erzählen.

 

Glück ist etwas, was ich bereits vorher beschließe

Eine Patientin von mir, eine zierliche, gepflegte Frau in den Neunzigern, musste kurzfristig ins Pflegeheim ziehen, da ihr Mann, der sie liebevoll betreut hatte, plötzlich und unerwartet verstorben war.

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Zufällig kreuzten sich genau an jenem Tag, als sie einzog, unsere Wege im Pflegeheim. Sie saß in einer Nische am Gang auf einem Stuhl, während die Schwestern das Zimmer für sie vorbereiteten. Während sie geduldig und mit einem Lächeln so da saß, in einem schönen Kleid , einer frischen Frisur, etwas geschminkt, wie für ein großes Ereignis vorbereitet, konnte ich einen kurzen Blick auf ihr Zimmer werfen, ein kleines abgewohntes Zimmer, vielleicht das kleinste im ganzen Stock – es musste ja schnell gehen – nur notdürftig hergerichtet und statt Vorhängen nur Segeltüchern an den Fenstern. Es stimmte mich traurig, dass ausgerechnet sie dieses bessere „Besenkammerl“ bekam. Als man ihr sagte, dass sie ihr Zimmer nun anschauen könne, schaute sie mich kurz an und meinte, sie freue sich auf ihr neues Zuhause. Als ich ihr entgegnete „Warten Sie doch, schauen Sie sich Ihr Zimmer doch erst einmal an“ meinte sie nur:

„Das ist nicht notwendig. Glück ist etwas, das ich bereits vorher beschließe. Ob ich mein Zimmer nun mag oder nicht mag, hängt nicht davon ab, wie die Möbel angeordnet sind. Es hängt davon ab, wie ich mein Denken anordne. Und ich habe beschlossen, dass ich mein Zimmer lieben werde,“

Und sie lebte noch viele Jahre glücklich in ihrem „Besenkammer“.

Dem ist wohl nichts hinzuzufügen.

Ihr Dr. Kurt Moser

fotocredit: Hasselblad H5D; ©Hunor Kristo – stock.adobe.com

 

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