Lernleben-Gesundheitsblog

In diesem Beitrag erfährst du was die lange Geschichte der TEM mit unserem heutigen Bild zu mehr Selbstverantwortung für unsere Gesundheit in Verbindung mit Prävention zu tun hat. Auch möchte ich dir zeigen, was du tun kannst, um dich – und das was dir gut tut – selber zu finden.

Traditionelle Europäische Medizin (TEM) ist ein sehr spannendes Gebiet der Heilkunde, das einen ungeheuer reichen Wissensschatz aus mehreren Jahrtausenden in sich vereint. Die Wurzeln dieser alten Heilkunst sind gar nicht rein europäisch, wie der Begriff aufs Erste vermuten lässt. Viele große Gelehrte aus dem arabisch-persischen, griechischen und türkischen Raum, wie Hippokrates, Aristoteles, Galenus von Pergamon oder Avicenna, auch bekannt als Abu Ali Ibn Sina, haben diese alte Heilkunst geprägt.

 

Traditionelle Europäische Medizin (TEM): Begriff und Gemeinsamkeiten zur fernöstlichen Heilkunde

Traditionelle Europäische Medizin ist eine Heilkunst auf Basis der Vier-Säfte-Lehre, die unter dem ganzheitlichen Aspekt der Salutogenese darauf abzielt, den Menschen nachhaltig zu stärken und gesund zu erhalten. Viele kennen eher den Begriff der Klosterheilkunde als jenen der Traditionellen Europäischen Medizin. Das, was wir heute in Schriftform über diese Heilkunde haben, ist mehr oder weniger dasselbe. Vieles aus dem Wissen der TEM geht auf heilmedizinische, bis zu viertausend Jahre alte Lehren aus dem Fernen Osten zurück. Die Ziele beider Welten – der europäischen und der fernöstlichen – waren immer die gleichen, nämlich: den Menschen gesund erhalten und Kranken mit bestimmten Lebensmitteln wieder zur Gesundheit zu verhelfen. Die Menschen wussten schon vor Jahrhunderten, dass Ernährung ein beständiger Begleiter des Lebens ist. Nahrungsmittel waren eine gute Möglichkeit, die Gesundheit aufrechtzuerhalten.

 

Der Unterschied von Traditioneller Europäischer Medizin zu fernöstlichen Lehren

In den fernöstlichen Ländern haben Machthaber ihr Wissen nie mit Religion verknüpft. Asiatische Herrscher achteten sehr darauf, den Menschen Zugang zu heilmedizinischen Kenntnissen zu gewähren. Bildung für das Volk war ihnen wichtig. Im Europa des Mittelalters war das anders: Das Wissen blieb beim Klerus. Weil das einfache Volk kaum oder gar nicht lesen und schreiben konnte, wurde beispielsweise der alte Erfahrungsschatz, den es über die Wirkung von Kräutern gab, nicht schriftlich festgehalten.

 

Von Hippokrates bis Hildegard von Bingen: Wissen aus vielen Jahrhunderten in einer Lehre vereint

Hippokrates (460 – 370 v. Chr.), der berühmteste Arzt des Altertums, gilt als Begründer der Diätetik. Diätetik umfasst alle Maßnahmen, die einer geeigneten Ernährung und geregelten Lebensweise dienlich sind. Auf Hippokrates geht auch die Vier-Säfte-Lehre zurück, die später von Galenus von Pergamon, einem griechischen Arzt und Anatom, aufgenommen und weiterentwickelt wurde.

Nach Hippokrates trugen viele weitere Gelehrte zur Entstehung der Traditionellen Europäischen Medizin bei, wie eben Galenus von Pergamon (129 – 199 n. Chr.) und Hildegard von Bingen (1.089 – 1.179 n. Chr.), Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) und der Heilige Benedikt von Nursia (480 – 547 n. Chr.). Avicenna oder auch Abu Ali Ibn Sina (980 – 1.037 n. Chr.), ein persischer Arzt, gilt als Vater der modernen Medizin. Ibn Sinas medizinische Errungenschaften waren revolutionär: Er befasste sich mit Krankheitszuständen und vereinte unter anderem die Pathologie mit der Therapie oder die Chirurgie mit der Allgemeinmedizin. Er fasste die Gedanken der griechischen, römischen und arabischen Medizin zusammen. Zusätzlich nahm er Hippokrates‘ Prinzipien der Diätetik („Lass Nahrungsmittel deine Heilmittel sein und Heilmittel deine Nahrungsmittel!“) in seine Lehre auf. Es gäbe noch einige medizinische Gelehrte, die als Wegbereiter der Traditionellen Europäischen Medizin genannt werden können, wie beispielsweise Pfarrer Kneipp.

 

Das Lorscher Arzneibuch um 795 n. Chr.

Als im frühen Mittelalter das Gebot der Nächstenliebe aufkam, wurde die Heilkunde für alle anwendbar. Zuvor bewerteten einflussreiche Christen die medizinische Heilkunst als einen unzulässigen Eingriff in den göttlichen Plan. Das Lorscher Arzneibuch wurde von mehreren Mönchen im Kloster Lorsch im heutigen Hessen geschrieben und ist das älteste erhaltene Werk der Klostermedizin. Der Wesentlichen dreht sich das Lorscher Arzneibuch um die Gesundheit der Menschen im Zusammenhang mit der Verträglichkeit von Speisen, aber nicht nur im Allgemeinen, sondern es geht in diesem Werk tatsächlich um die Verträglichkeit von Nahrungsmitteln in der einzelnen Person. Dafür waren Anamnesen erforderlich, die auch im Lorscher Arzneibuch beschrieben sind.

 

Die Gesundheitstafeln von Ibn Butlan

In der Zeit von 1.000 – 1.066 nach Christus entstanden unter der Ägide von Ibn Butlan, einem christlichen Arzt, der in Bagdad lebte, die sogenannten Gesundheitstafeln. Auch die Gesundheitstafeln gelten als besonders wegweisend in dem Sinne, dass medizinisches Wissen aus vielerlei Kulturen, wie der jüdischen, indischen oder ayurvedischen, nicht nur verfasst und geordnet, sondern auch der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt wurde. Die Tafeln umfassten neben naturheilkundlichem auch schulmedizinisches Wissen aus früheren Epochen sowie detaillierte Anweisungen für eine gesunde Ernährung und Lebensführung.

 

Salutogenese als zentraler Bestandteil der Traditionellen Europäischen Medizin

Die Gesundheitstafeln von Ibn Butlan dienten in weiterer Folge als Wissensquell für Heilkundige wie Hildegard von Bingen und wirken bis heute in die Angebote für Fastenklöster, Stille- oder Lebensführungsretreats in europäischen Klöstern hinein. Im Zusammenhang mit der Ernährung steht in der Klostermedizin nicht der Gewichtsverlust, sondern die Erlangung und Bewahrung der Gesundheit im Vordergrund.

Erst in einem zweiten Schritt, wenn Disharmonien feststellbar sind oder Krankheiten auftauchen, geht man in der Traditionellen Europäischen Medizin der Frage nach, was man dagegen tun kann. Nach dem Prinzip der Vier-Säfte-Lehre, die auch Hildegard von Bingen verstärkt praktizierte, geht es darum, Ungleichheiten auszubalancieren und den Körper mit Hilfe von Lebensmitteln in einen Zustand zu bringen, dass er sich selbst heilen kann.

 

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Die Gesundheit von Körper, Geist und Seele ist untrennbar

Ora, labora et lege.“ – „Bete, arbeite und lese.“ Benedikt von Nursia weichte die alte Regel der Benediktiner des reinen Arbeitens und Betens auf und trat dafür ein, dass auch das Spirituelle im Leben seinen Platz haben sollte, ebenso wie das Ruhen zur rechten Zeit. Er vermittelte die Gesundheit von Körper, Geist und Seele als untrennbar.

Zum ersten Mal gab es mit Benedikt auch einen Gelehrten, der dafür eintrat, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.

Es sollte nicht mehr im Vordergrund stehen, wer länger betet oder wer härter arbeitet, sondern es ging Benedikt darum, dass jeder erkennen sollte, wem etwas in welchem Ausmaß guttut. Für ihn bedeutete Gesundheit nichts Geringeres als die Integration des Menschen und seiner Natur in die kosmische Ordnung. Demnach ist es auch wichtig, zu überprüfen, wie sich das eigene Verhalten auswirkt auf die Region, in der man lebt, auf die Jahreszeit oder wie der eigene Rhythmus an den Tagesablauf angepasst ist. Aufbauend auf all dieses Wissen erachtet es die heutige Traditionelle Europäischen Medizin als wichtig, Eigenverantwortung für sich, seinen Körper, seinen Geist und seine Seele zu übernehmen, präventiv tätig zu werden und sich zum Beispiel selbst zu bremsen, wenn Belastendes überhandnimmt.

Ganz wichtig dabei: sich über eigene Schlaf- und Essgewohnheiten als erstes Mittel Gedanken zu machen.

 

Individuell verträgliches Fasten, individuelle Gesundheit

Zur Traditionellen Europäischen Medizin gehört auch das Fasten als existenzielle Erfahrung. Ich habe mich als Ernährungsexpertin und Lebens- und Sozialberaterin der Salutogenese mit ihrer Wirkung auf Körper, Geist und Seele verschrieben. Die alte Volksweisheit „Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen“ ändere ich nach den Prinzipien der Salutogenese in: „Das, was für mich verträglich ist, hält meinen Leib und meine Seele zusammen.“ Ich trete dafür ein, dass jeder und jede zuallererst sich selbst kennenlernt, Eigenverantwortung übernimmt und über die Reduzierung der Nahrung zu einem neuen Empfinden gelangt.

Meine Arbeitsweise, die ich aus den Lehren der Traditionellen Europäischen Medizin für mich weiterentwickelt habe, geben ich in meinen Vorträgen, Seminaren, Workshops und Gruppentrainings weiter.

Mein Kurs- und Dienstleistungsangebot kannst du Profil entnehmen – gerne stehe ich aber auch für individuelle Voträge und Seminare auf Anfrage zur Verfügung.

Ruth Marignoni

fotocredits: ©felipecaparros – stock.adobe.com

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