Lernleben-Gesundheitsblog

Hier erfährst du Nutzen dir Lebensberatung auch für deinen Alltag bringen kann. Auf www.lernleben.at findest du zudem qualifizierte Lebensberater aus den verschiedenen Fachbereichen und Regionen Österreichs.

 

Lebensberatung im 20. Jahrhundert

Mitte des zwanzigsten Jahrhundert änderte sich die gesamte Umwelt durch die zunehmende Technisierung und die Informationsüberflutung. Die Großfamilie wurde durch Kleinfamilien abgelöst, womit die Betreuung der jungen Menschen in den Hintergrund rückte. Der erste und der zweite Weltkrieg taten noch ihr übriges, die Menschen dieser Generation waren dermaßen mit der Aufarbeitung ihrer eigenen emotionalen Erlebnisse beschäftigt und hatten nicht wirklich Zeit und Muße die Nachkommen emotional zu betreuen.

Zunehmend wandten sich die Menschen auch von der Institution der Kirche ab, welche mit ihren starren Regeln und Strukturen den Übergang in die Neuzeit verpasste. Die Menschen der 50 und 60er Jahre gingen auf die Suche und suchten wieder neuen Wege.

Zeit der Kriege

Die Einflüsse der Veränderungen begannen im zwanzigsten Jahrhundert mit dem Aufbruch in den Kronländern der österreichisch ungarischen Monarchie, welche letztlich im ersten Weltkrieg mündeten. Nach der Zwischenkriegszeit begann der emotionale Aufstieg durch Hitlerdeutschland, welches mit der Hitlerjugend und dem BDM bereits die jungen Menschen begeisterte und als Begleitung der Menschen fungierte. Auch diese Organisationen mündeten im Zerfall durch den zweiten Weltkrieg bedingt.

Die Nachkriegszeit

In der Nachkriegszeit haben Politik mit ihren Organisationen wie Kinderfreunde, rote Falken, die Junge ÖVP, Landjugend etc., der Sport mit den Vereinen Union, ASKÖ und Turnerbund als auch die Kirche mit den Jungschargruppen der Jugend versucht Gruppen Geborgenheit zu geben.

Die Erwachsenen, welche den Einflüssen dieser Organisationen entstammten, sahen sich jedoch zunehmend den äußeren Einflüssen der Medien und der Technisierung hilflos gegenüber. In den verschiedenen Organisation wie Hilfswerk, Caritas, psychosozialen Betreuungsstellen, Telefonseelsorge wurden Grundlagen für die Betreuung von verschiedenen bedürftigen Menschen geschaffen.

In dieser Phase gab es jedoch auch den zunehmenden Einfluss der verschiedensten esoterischen Richtungen als auch vergrößerten Zuspruch zu den verschiedenen Sekten, um der zunehmenden Orientierungslosigkeit im Leben des einzelnen wieder einen Neuen Sinn zu geben. Wie sich jedoch zunehmend herausstellte, wurden meist nur die Kontrolle der Eltern einer anderen Organisation übergeben, die Übernahme von zunehmender Eigenverantwortlichkeit blieb dabei oft auf der Strecke.

 

Gesellschaftliche Entwicklung wird immer schneller

Seit dem 19. Jahrhundert steigt das Tempo der gesellschaftlichen Veränderungen in unserer Kultur ständig. Die Menschen sind immer weniger an ihre traditionellen Rollen oder Familienmuster gebunden, ihre Entscheidungsfreiheiten werden größer. Laut Reichel übernehmen immer weniger Menschen traditionell Beruf, politische Einstellung oder Religion ihrer Eltern oder passen noch in das Rollenbild der vorhergehenden Generation (Reichel, 2005).

Neue Frauenbilder entstehen Anfang des 20. Jahrhunderts, gegen Ende desselben wird auch das Männerbild immer mehr in Frage gestellt und die Männer müssen sich ebenfalls neu definieren. Die Familie ist nicht mehr länger Ort der Ausbildung, es entstehen Schulen und spezielle Ausbildungseinrichtungen für unterschiedliche, neu entstehende Berufsfelder. Ein Marktplatz an Fachwissen entsteht, Lehrmeinungen und Fachjargons entwickeln sich, unzählige Bücher und Ratgeber werden geschrieben.

Die Menschen werden immer unsicherer in Bereichen, die früher selbstverständlich waren:

  • Partnerschaft
  • Kindererziehung
  • Weltbild
  • Arbeitseinstellung
  • Miteinander von Kulturen
  • Gesundheit und Körperlichkeit

 

blog_lsb_20Jhd

Neue persönliche Krisen entstehen

Eltern sind überfordert, Schule und Ausbildungsstätten widersprechen sich teilweise oder sind schnell veraltet. Die Menschen haben immer mehr Schwierigkeiten sich zu orientieren und sind zunehmend darauf angewiesen, selbst nachzudenken und zu entscheiden.

Zum Begriff der „Midlife-Crisis“, entstanden im letzten Jahrhundert, neuerdings taucht immer öfters der Begriff der„Quarterlife-Crisis“auf und betrifft bereits junge Menschen, kurz nach ihrer Ausbildung, sozusagen am Start des Erwachsenenlebens. Symptome sind Orientierungslosigkeit, Zukunftsangst und Überforderung.

Die Qual der (Lebens)Wahl

Nicht nur die Ansprüche der Gesellschaft an die/den Einzelne/n sind gestiegen, sondern auch die Ansprüche der einzelnen Menschen an sich selbst. Und über allem schwebt die Erwartung, erfolgreich und vor allem glücklich sein zu müssen, und zwar hier und jetzt. Das „Paradies“ soll schon zu Lebzeiten erfahren werden, in der westlichen Industriegesellschaft herrscht nicht mehr Knappheit sondern Überfluss und viele Probleme entstehen aus der „Qual der Wahl“, aus dem Gefühl der Verzichts aufgrund einer Entscheidung.

Normalität wird neu definiert

Die Abwesenheit von allgemeingültiger Wahrheit und Ordnung bringt es mit sich, dass die Menschen mehr miteinander reden und verhandeln müssen. Das gilt sowohl im Großen, wenn es um politische Verständigungen geht als auch im Kleinen, wo der Bedarf an Kommunikation bei Paaren enorm gestiegen ist. Der Verlust der Gewissheit, was überhaupt noch „normal“ ist, stürzt viele Menschen in Verwirrung. Sie verlieren ihre Identität, die sie über bisher gültige Kategorien definiert haben.

Wie Reichel schreibt: „Als normal gilt ja für viele Menschen die Abwesenheit großer Probleme oder Schwierigkeiten. Dieses Paradigma muss und wird sich langsam – gegen große Widerstände – verändern. Das neue Paradigma müsste realistischer weise lauten: Schwierigkeiten und Probleme sind das Normale.“ (Reichel, 2005, S. 29).

Lebensberatung ist gefragt

Auch dieser Paradigmenwechsel bedeutet für die Menschen das Hin zu mehr Kommunikation – und „Rat Suche“. Und genau hier ist wieder die Lebensberatung gefragt, deren Spezialität es ist, die vorhandenen Fähigkeiten der Menschen zu stärken, damit sie gut mit bestehenden oder möglicherweise auftauchenden Problemen umzugehen wissen. (vgl. Traxler 2007 12)

Lebensberatung und die kirchliche Entwicklung in Österreich aus dem Bereich der Ärzteschaft entwickelte sich zunächst die Form der Psychotherapie. Mit der Zeit wurden immer mehr Nicht-Ärzte zu Therapeuten (bei Freud „Laienanalyse“ genannt) und entwickelten die Form der psychosozialen Beratung. Schon seit Jahrhunderten gibt es in Gesellschaften, die ein etabliertes und monopolistisches Gesundheitssystem haben, immer wieder eine „außerprofessionelle Opposition“ (Reichel, 2005, S. 37), die vor allem entsteht, wenn Menschen mit dem vorhandenen System nicht zufrieden sind und Alternativen suchen.

Manchmal werden diese Alternativen vom System anerkannt und einverleibt bzw. in untergeordneten Positionen geduldet (wie z.B. die Hebammen).

Etablierte Strukturen aufbrechen

Dadurch entsteht aber wieder Raum für neue Alternativbewegungen. Ein gutes Beispiel ist auch die Psychotherapie: Jahrelang von vielen Ärzten als „Kurpfuscherei“ bezeichnet und negiert, gelang ihr schließlich die Anerkennung bis hin zum österreichischen Psychotherapiegesetz 1990. So, wie über die Jahrhunderte Ärzte ihren Status aus der Machtposition gewannen und einen gewissen Standesdünkel gegenüber den PsychotherapeutInnen hatten, spiegelt sich dieser Dünkel nun gelegentlich in der Einstellung mancher PsychotherpeutInnen gegenüber den Lebens- und SozialberaterInnen wider.

Zwei verschiedene Beratungsrichtungen entwickelten sich in Österreich. Bereits 1911 war im benachbarten Deutschland die erste öffentliche „Ehe- und Sexualberatungsstelle“ entstanden, damals von einem Arzt geleitet und von der Krankenkasse unterstützt (!). Zunächst als Beitrag zur psychischen Hygiene gedacht, wurde die Stelle in den 30er und 40er Jahren „als Vollzugsinstrument qualitativer Bevölkerungspolitik“ missbraucht (Schreiber, 1997), der leitende Arzt von der SS erschossen. Erst nach dem zweiten Weltkrieg entdeckte die Katholische Kirche ihren diesbezüglichen Auftrag, und es entstanden die ersten „Katholischen Eheberatungsstellen“, zunächst im Rahmen der Caritas, Ende der 60er Jahre dann als pastorale Institution. In dieser Zeit entstanden die ersten Ausbildungen.

Auch in Österreich gab es eine ähnliche Entwicklung (leider liegen keine genauen Zahlen vor). 1974 zunächst als Begleitmaßnahme bei der Einführung zur Fristenlösung (Regelung des Schwangerschaftsabbruchs) gedacht, wurde rasch der Bedarf an geförderten Beratungsstellen erkannt. Zu Beginn in erster Linie von der Katholischen Kirche getragen, errichtete auch die Evangelische Kirche A.B. 1985 ihre erste (und bis dato einzige!) Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle. Die staatlich anerkannten Ausbildungsinstitute waren von der katholischen Kirche geführt.

Parallel dazu gab es die Welt der „psychologischen Beratung“ in Einzelpraxen. Bis 1989 war dies ein völlig freies Gewerbe. Jede Person konnte ohne weitere Qualifikationen oder fachliche Vorbildung einen Gewerbeschein lösen und als Psychologische(r) Berater(in) tätig sein.

Es bestand keinerlei Konsumentenschutz.

Das Bestreben der Politik war es nun Ende der 80er Jahre – und Österreich war damit europaweit einzigartig unterwegs – die Beratungslandschaft einzuteilen und somit auch zu definieren. (vgl. Traxler 2007, 12 – 18)

Lese im vierten Teil über die Entwicklung der in den späten 80er und 90 Jahren

Die Entstehung der Lebensberatung ist in 5 Bereiche aufgeteilt.

  1. Die Ratgeber der Antike
  2. Die religiösen Wurzeln
  3. Die Entwicklung im 20 Jahrhundert
  4. Die humanistische Orientierung in den 1980er Jahren
  5. Das Angebot in Österreich

fotocredits: ©pathdoc, (C)2015 Igor Stevanovic, www.ljsphotographyonline.com, – stock.adobe.com

Kostenlose Gesundheitstipps

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an und erhalten Sie jede Woche kostenlose Gesundheitstipps.

Sie erhalten in Kürze eine E-Mail von uns! Bitte bestätigen Sie diese um sich für unseren Newsletter anzumelden!