Lernleben-Gesundheitsblog

Es war im Jahr 2001. Eine turbulente Zeit lag hinter mir und die Sehnsucht nach der Wüste stieg. Libyen wurde immer mehr mein Wunschziel. Gleichzeitig hatte mein damaliger Therapeut und späterer Lehrer Samuel Widmer den Wunsch, einige Tage in totaler Abgeschiedenheit und Einsamkeit in der Wüste zu verbringen, am besten an einem Platz, wo er mit Sicherheit keinem Menschen begegnen würde. Und so schlug ich ihm vor, dass ich ihn an einem einsamen Platz aussetzen und nach zehn Tagen wieder abholen könnte.

Er war begeistert von der Aussicht auf das absolute Alleinsein in der Stille der Wüste und nahm meinen Vorschlag an. Ich studierte die Karten und schlug ihm dann den Tademka, den abgelegensten der Seen im Erg Ubari vor. Zu diesem Zeitpunkt kannten selbst die erfahrensten Führer nicht wirklich den Weg zum See.

 

Meine Reise beginnt

Im Februar 2002 ging es los. Ich fuhr mit dem Auto voraus, um ihn dann später am Flughafen von Sebha abzuholen und in die Wüste zu fahren. Als es dann, inzwischen war es März geworden, soweit war und er am Flughafen von Sebha die Ankunftshalle betrat, traute ich meinen Augen nicht. Da kam einer, der elegant gekleidet war und einen Borsalino trug, so gar nicht wüstenmäßig ausstaffiert. Und dann hatte er neben einem Koffer noch etwas bei sich, das wie ein großer Geigenkoffer aussah. Auf meinen fragenden Blick meinte er nur, darin sei sein Cello. Er habe vor, in der Wüste Cello zu spielen.

Ich griff mir auf den Kopf und wusste nicht, ob ich schreien, weinen, lachen oder mit dem Kopf gegen die nächste Wand laufen sollte. Es war einfach surreal.

Am nächsten Tag machten wir uns mit den Führern auf den Weg zum Tademka. Am Abend schlugen die Führer ein Lager am Maharouga auf, einem der großen Seen im Gebiet des Erg Ubari mit Palmen, Vögeln und Fröschen. Am nächsten Tag sollte die letzte Etappe zum Tademka zurückgelegt werden. Am nächsten Morgen eröffnete mir Samuel, dass es ihm hier gefalle und er hier bleiben möchte. Er werde nicht mehr zum Tademka weiterfahren.

Ich war total enttäuscht. Da suchte ich ihm den entlegensten Platz in dieser Wüste aus und er schlägt einfach beim erstbesten Platz sein Lager auf. Es fiel mir schwer, ihn hier alleine zurückzulassen mit etwas Wasser, Brot und einem kleinen Zelt. Und natürlich seinem Cello.

Die Fahrt zum Tademka war schwieriger, als erwartet, hohe Dünen waren zu überwinden und dann die große Enttäuschung. Der Tademka erwies sich als total ungeeignet für einen Aufenthalt. Er lag in einer tiefen Senke mit steilen, unüberwindlichen Sandwänden und nur mit etwas Schilf im See. Weit und breit war keine einzige schattenspendende Palme zu sehen.

 

Entscheidung mit dem Herzen

Demut ergriff mich. Samuel hatte die richtige Entscheidung getroffen. Während ich meine Entscheidung mit dem Verstand getroffen hatte, traf er sie mit seinem Herzen, das die Schönheit am Maharouga wahrnehmen konnte, während ich nur meinen Hirngespinsten nachjagte. Er hatte es gewagt, mich zu enttäuschen, um nicht sich selbst zu enttäuschen. Welche Freude, als ich nach zehn Tagen wieder zu ihm stieß. Er spielte unter den Palmen mit seinem Cello. Die Musik klang wunderbar rein in dieser Stille, geradezu unwirklich. Wir verbrachten den Rest des Tages in stiller Meditation, nur durch das Gurren der Tauben und das Quaken der Frösche unterbrochen. Es war wie im Paradies.

Indem Samuel nur nach seinem Herzen handelte und nicht irgendwelchen imaginären Zielen nachjagte, hatte er einen Schlüssel zu seinem Paradies gefunden. Und ich durfte ihn einen Tag in diesem Paradies begleiten.

Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und alles Gute im neuen Jahr 2021

Ihr Dr. Kurt Moser mit Anette Moser

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