Lernleben-Gesundheitsblog

Die Wissenschaft liefert uns (meist) wertvolle Erkenntnisse. Sie geht aber auch viele Irrwege auf der Suche nach der „Wahrheit“. Gerade in Zeiten wie der aktuellen „Corona-Krise“ sind wir angewiesen auf fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse. Gebetsmühlenartig wird betont, wie sorgsam man mit der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen sein muss, weil viele Studien und Tests notwendig sind. Dies ist auch angebracht und wir nehmen das wissenschaftsgläubig und vermeintlich geduldig zur Kenntnis.

Unter dem Deckmantel der Wissenschaft tummeln sich aber viele Forscher:innen, die mit unzulänglichen Methoden falsche Ergebnisse und Schlussfolgerungen liefern – meist zu sehr trivialen Themen. Aber Ernährung ginge uns wohl alle an, oder?

Hier zeige ich dir nun 7 Gründe, warum viele „Studien“ uns einfach völlig falsche Ergebnisse bzw. Schlussfolgerungen liefern. Mein Fachgebiet ist die Ernährungswissenschaft – diese Erkenntnis kann aber durchaus auch für viele andere Wissenschaftsbereiche gelten.

 

1. Studien „müssen“ Ergebnisse/Erkenntnisse liefern

Alle Wissenschaften erlangen ihre Erkenntnisse durch die Durchführung von Studien und/oder Experimenten – aber nicht alle gelangen zu validen aussagekräftigen Ergebnissen. Manche tun sich einfach mit der Auswahl der Methode und der Durchführung sehr schwer. Hierzu gehört u.a. die Ernährungswissenschaft, die uns vermeintliche Erkenntnisse über allgemein und speziell gesunde Ernährung für ein langes und gesundes Leben vermitteln will. Hinzu kommt noch der sogenannte „Publikationsdruck“, den viele Wissenschaftler zu spüren bekommen um ihre Bezahlung zu rechtfertigen. Es muss teilweise wie am „Fließband“ publiziert werden.

Aber genau hier liegt die Teufel im Detail – meist werden nur wenig aussagekräftige Methoden angewandt die in Verbindung mit kurzer Versuchsdauer  zu keinen brauchbaren Ergebnissen führen – was aber vielen medialen Multiplikatoren (Medien, Zeitschriften, Internet) relativ egal ist. Durch die entsprechende Verbreitung verwässert zunehmend die Tatsache, welche Methoden wie angewandt wurden.

Am Ende des Beitrags findest du einen Videolink mit einem anschaulichen Beispiel eines Fernseh-Experiments, dass von uns in Zusammenarbeit mit dem ZDF erstellt wurde – Die Schokoladen-Diät.

 

2. Beobachtungsstudien

Das Fundament der Ernährungsforschung. Diese Studien, auf denen das gängige Ernährungs(halb)wissen basiert, können keine Beweise (Kausalitäten) liefern, sondern nur vage Vermutungen und Hypothesen abgleitet von schwachen Korrelationen.

 

3. Korrelationen

Das sind statistische Zusammenhänge über deren tatsächliche Verbindung man nichts weiß. Bsp. Rotweintrinker leben länger. Liegt es am Rotwein oder am „Rest“ des Lebensstils, weil diese Menschen mehr Geld haben, eine besser Gesundheit, höhere Jobs, etc… Eine Korrelation liefert keine Kausalität.

 

4. Kausalität

Ursache-Wirkungs-Beziehung, die Mangelware der Ernährungswissenschaft schlechthin. Ein einfaches Beispiel: Skorbutkranke haben einen Vitamin-C-Mangel. Gleicht man diesen aus verschwindet die Krankheit vollständig. Ursache: Vitamin-C-Mangel; Wirkung: Skorbut

 

5. Randomisierung

Eine der wichtigsten Studienfaktoren: das zufällige Verteilen der Menschen in den Studiengruppen, damit diese vergleichbar sind. Im Bereich der „großen Ernähungsfragen“ ist die Randomisierung jedoch nicht umsetzbar, zB. wenn man wissen will, ob vegetarische Ernährung gesünder ist als „alles essen“.

Denn welcher Steak-Freund hört schon gerne: „Sie sind in die vegetarische Gruppe gelost worden und dürfen jetzt fünf Jahre lang während der Studienlaufzeit kein Fleisch essen.“ Umgekehrt will man sich den Aufschrei der Empörung gar nicht vorstellen. Ein Vegetarier wird in die Allesesser-Gruppe randomisiert. Hinzu kommt: Placebo-Fleisch wäre auch noch nötig, aber das gibt es ebenfalls nicht.

 

6. Fehlende Dosis-Wirkung-Beziehung

In den meisten Studienzeigt sich eine sogenannte J- oder U-Kurve, d.h. beispielsweise die Menschen mit niedrigen oder hohem Wurstverzehr sterben früher als die mit moderaten Konsum. Es liegt demnach keine aussagekräftige und auf Kausalität hindeutende Dosis-Wirkungs-Beziehung vor, bei der mit steigendem Verzehr ein wachsendes Risiko einhergehen müsste.

 

7. Wachsweiches Datenfundament

Die Mengen an verzehrten Lebensmitteln, als die Studiengrundlage, basieren stets auf unüberprüfbaren Eigenangaben der Probanten. Und hier weiß man: Es wird gerne geschummelt, die Antworten sind (fast) nie 100%ig ehrlich. Stichwort: „Underreporting“ – aus Gewissensgründen wird gern mehr vermeintlich „gesunde Kost“ angegeben, dafür die „bösen“ Lebensmittel nach unten korrigiert.

Ergo: Man kann allein die Datengrundlage schon nicht ernst nehmen, denn sie ist alles andere als valide. Und oftmals wird diese nur ein einziges Mal zu Beginn einer Studie nachgefragt, die mitunter 10 Jahre oder länger läuft.

 

Die Erkenntnis

Dazu passt abschließend folgende Erkenntnis, die man im SPIEGEL 2017 lesen durfte: „Ausgerechnet die Ernährung, ein Thema das jeden betrifft, widersetzt sich ein paar Grundregeln der seriösen Forschung: randomisierten Doppelblindstudien? Welch eine absurde Vorstellung. Ernährungsforschung weist methodische Schwächen und wissenschaftliche Lücken auf. Ausgerechnet die fundamentale Frage der Lebensführung umgibt daher einen Mythenkranz aus Spekulationen und unbewiesenen Hypothesen.“

Viele Ergebnisse der Ernährungsforschung seien „völlig unglaubwürdig“ – und auch eine Milllion weiterer Beobachtungsstudien würden keine endgültigen Lösungen liefern.

Darum solle man Vorsicht walten lassen bei Ernährungsempfehlungen, da diese primär auf Beobachtungsstudien basieren, die nicht durch klinische Studien bestätigt wurden.

Ihr Uwe Knop

fotocredits: ©Vittaya_25 – stock.adobe.com

Für Interessierte: Einen ausführlichen Überblick über die diversen Studien und deren Aussagekraft liefert die Grafik auf https://www.eufic.org/en/understanding-science/article/hierarchy-of-science-evidence-infographic

 

Die Schoko-Diät – „unsere“ Studie

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